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Andenken

Andenken
Autor: Lars Brandt
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Gebundene Ausgabe
Auflage: 6
Seiten: 160
ISBN-10: 3-446-20710-4
ISBN-13: 978-3-446-20710-3
ISBN: 3446207104
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Im Oktober 1992 starb mit Willy Brandt einer der wichtigsten Politiker der Bundesrepublik. Sein Sohn Lars hat nun ein Erinnerungsbuch veröffentlicht, das sich abhebt von den vielen anderen Publikationen ĂŒber diesen großen Mann: Keine Biografie und schon gar keine politische Analyse, sondern ein sehr persönlicher Blick zurĂŒck, der gerade durch diese Mischung aus NĂ€he und Distanz fasziniert. Nah und distanziert zugleich war auch das VerhĂ€ltnis zwischen Vater und Sohn. Lars Brandt schreibt, er könne sich nicht erinnern, dass V. -- das KĂŒrzel benutzt er durchgĂ€ngig -- ihn als Kind jemals in den Arm genommen oder ĂŒber den Kopf gestreichelt habe. Und dennoch war da eine Verbundenheit, die Lars Brandt spĂ€ter als Erwachsenen sogar zum Redenschreiber fĂŒr seinen Vater prĂ€destinierte.

"HĂ€tte man diesen Menschen von seinen WidersprĂŒchen befreien wollen, wĂ€re wenig von ihm ĂŒbrig geblieben." GlĂŒcklicherweise versucht das sein Sohn auch gar nicht, sondern prĂ€sentiert meist kurze Erinnerungsbilder, Fußnoten zu einem großen Leben, die literarisch anmuten und trotz ihrer Knappheit berĂŒhren und diesen Mann mit seinen Eigenarten nahe bringen. Etwa Brandts Vorliebe fĂŒr immer kleinere KĂ€mmerchen, in die er sich privat zurĂŒckziehen konnte, wĂ€hrend die Dienstvillen wĂ€hrend seines Aufstiegs zum mĂ€chtigsten Mann des Staates immer grĂ¶ĂŸer wurden. Oder der Widerspruch, dass er als Politiker die Massen emotional begeistern konnte, aber gleichzeitig in persönlichen Begegnungen Menschen enttĂ€uschte, wenn er "Emotionen wachrief, ohne ihnen wirklich zu antworten".

Lars Brandt war sechs Jahre alt, als sein Vater Regierender BĂŒrgermeister Berlins wurde. Andenken gewĂ€hrt deshalb auch einen spannenden, teils auch amĂŒsanten Blick hinter die Kulissen der Macht. Wie es ist, mit den Kennedy-Kindern in der Limousine zu sitzen und ihnen etwas ĂŒber Berlin erzĂ€hlen zu sollen, wĂ€hrend die ihre Nasen aber lieber in Comics vergraben. Oder viel spĂ€ter, bei einem Staatsbesuch der Ceausescus in Bonn, beim GesprĂ€ch mit dem Sohn des Diktators: "Beide waren wir kaum Mitte Zwanzig, aber Nicu setzte die Pausen fĂŒr den Dolmetscher bereits so routiniert wie ein Minister. [
] Und nun hob er an, die vorzĂŒgliche Situation der Studenten in RumĂ€nien darzulegen, reihte die strahlendsten Zahlenkolonnen aneinander. Dann wurde er wieder persönlich und krönte sein statistisches MĂ€rchen vom rumĂ€nischen Paradies: Zwölf BĂ€ren habe ich letzte Saison erlegt, rief er mir zu: Und Sie?" --Christian Stahl
Quelle: Amazon.de




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